Die
Schnitte sind pompös, die verschwenderisch
verwendeten Stoffe schwer und prächtig. Zur Volumenerweiterung der
Röcke werden zunächst steife kegelförmiger Reifröcke getragen, die
aber dann zeitweilig von dicken, um die Hüften geschnallten Lederwülsten
abgelöst werden, die man als "Weiberspeck" bezeichnete. Die Männer
tragen zur Heerpauke (einer kugelrund ausgestopften kurzen Hose)
ein vollständig wattiertes Wams mit "Gänsebauch"-Optik, eine insgesamt
derartig steife Kleidung, die an Bequemlichkeit den mittelalterlichen
Rüstungen in nichts nachgestanden haben wird.
Der ständige Krieg
mit seinen Landsknechten, die als Söldner ganz Europa bereisen,
bringt bis zur Jahrhundertmitte Belebung in die Mode. Sie bevorzugen
weite, grellbunte Kleidungstücke (die "Zerhauenen"), die extrem
geschlitzt werden, und aus der ellenlang helles Unterfutter heraushängt:
Die Hosenform der "Pluderhosen" wird von ihnen erfunden. Auch in
der höfischen und damit in der tonangebenden Gesellschaftsschicht
wird der Sitz der Kleidung lockerer (was sich aber leider nicht
auf die weiblichen Schnürmieder bezieht).
Die Eitelkeit
-insbesondere die männliche - feiert fröhliche Urständ und bringt
Dinge hervor wie die "Rheingrafen" (weite Hosenröcke mit Rüschensaum),
Bänder und Schleifen an allen Kleidungsteilen, rote hohe Absätze
an den Schuhen und die verschwenderische Verwendung von Spitzen.
Das Ganze gipfelt am Jahrhundertende in der bekannten Pracht des
französischen Hofes zur Zeit des Sonnenkönigs.
In
der Frauenbekleidung reicht es zu dieser Zeit schon lange
nicht mehr aus, ein einzelnes Kleid zu tragen, man muss zeigen,
dass man sowohl ein kostbares Unterkleid als auch einen ebenso kostbaren
"Manteau" tragen (und bezahlen) kann. Damit aber beide Kleiderteile
so richtig zur Geltung kommen, wird der Manteau nach hinten weggerafft
und in raffinierte Draperien gelegt. Die Silhouette wird dadurch
schmaler, was man noch durch Frisuren "a la Fontange"
(eine Strumpfbandfrisur nach Madame de Fontange) verstärkte. Hierzu
wurden die Haare mittels eines Spitzenbandes auf bis zu 50 cm hohen
schmalen Drahtgestellen aufgebunden.
Die
Männermode beruhigt sich allmählich und die Form
des "Justaucorps" (einer über einer langen Weste getragenen, oft
reich bestickten Jacke) entwickelt sich. Vorbild ist auch hier natürlich
wieder ein Militärrock.
Dies
ist im Grossen und ganzen die Form der Männerbekleidung, wie sich
sich bis heute erhalten hat. Die einzige grössere Extravanganz in
der Männermode am Ende des Jahrhunderts ist die naturfarbene lockenreiche
(und extrem warme) Allongeperücke, die durch den nicht mehr ganz
jugendfrischen Sonnenkönig eingeführt wird. Sie soll ihm sein ewig
jugendlich-strahlendes Aussehen sichern und wird natürlich am Hof
und in modischen Kreisen sofort kopiert.

Wenn Sie mögen,
finden Sie hier ein kleines amüsantes Schauspiel,
das anläßlich eines Vortrages aufgeführt wurde,
über die Mode der "Galanten Jahrhunderte" Barock
("Age d'Or") und Rokoko ("Age de Lumière").
Wenn neben Mode auch das
Speisen zu Ihren Vorlieben gehört, amüsiert Sie vielleicht
auch die folgende Szene, die
anläßlich eines Gala-Diners zu Aufführung kam, und
das sich ebenfalls mit den "Galanten Jahrhunderten" beschäftigt.
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