Vorreiter
bei dieser Mode sind (natürlich) die Französinnen, bei denen es
Wettbewerbe um das leichteste Kleid gab (die Kleider wurden tatsächlich
ausgewogen). Man trug als Unterwäsche lediglich ein hautfarbenes
Trikot, und es sind entrüstete Berichte biederer deutscher Frauen
berichtet, in denen die "nackte Mode" im Sündenbabel Paris gebrandmarkt
wird.
Die Kehrseite der
Medaille sind reihenweise schwer unterkühlte bzw. an Erkältungskrankheiten
gestorbene junge Frauen, die auch im Winter nicht mehr als ein Umschlagtuch
über diesen hauchzarten Kreationen trugen, und die in den eiskalten,
nahezu unbeheizten Schlössern ausharrten - und das nicht nur in
Frankreich, sondern auch im von Frankreich geprägten Petersburg.
Neuere Forschungen
haben ergeben, dass ein guter Teil der "Schwindsüchtigen" der damaligen
Zeit (die man bislang als Tuberkulosetote interpretierte) ganz einfach
den Kälte - und Grippetod erlitten. Bezeichnenderweise trugen alle
diese Erkrankungen den summarischen Namen "Musselinkrankheit" nach
dem hauchdünnen Baumwollstoff, aus der die Kleider bevorzugt zu
sein hatten. Zum Hof wird die Chemise mit einer mehr oder weniger
langen Schleppe ergänzt, die reich bestickt ist, und ein zeremonielleres,
"angezogeneres" Kleidungsstück darstellt.
Die Länge der Schleppe
von Courschleppe und Chemise ist streng reglementiert. Sie hängt
vom Status ihrer Trägerin ab, und geht durchaus bis hin zu vier
Metern. Es ist leicht vorstellbar, wie schwierig es war, eine Viermeterbahn
hauchzarter Seide durch einen mit Möbeln und Menschen bestückten
Raum zu lotsen (von denen der weibliche Teil ja ebenfalls Schleppe
trug), ohne wesentliche Teile des Mobiliars umzureissen, oder sich
mit einer der anderen Damen zu verheddern.
Anmut
und Grazie waren jedoch ein derart wesentlicher Teil des weiblichen
Lebens, dass in vielen langen Stunden derartige Unterfangen ausgiebig
geübt wurden. Genauso geübt wurde übrigens das malerische in-Ohnmacht-sinken,
eine Tat, bei der die Schleppe auch noch gefällig um den scheinbar
leblosen Körper drapiert werden musste.
Die
Männerkleidung im Empire erfährt nur einen erheblichen Bruch:
Die Kniehosen werden zugunsten der "Sansculottes", der langen Hosen
aufgegeben. Ansonsten wird sie lediglich weniger farbenprächtig
als im Rokoko, und Farben und Schnitte ähneln schon sehr der heutigen
Herrenmode. 
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