Wo in
Europa die Modemetropole angesiedelt ist, verrät schon der Name
für diese Kreation: "Cul de Paris". Raffinierte Dekorationen,
Rüschungen und Raffungen machen den zusätzlichen Schmuck der Kleider
aus, Seide ist das bevorzugte Gewebe.
In
den Jahren 1875-1881 findet ein modischer Bruch statt, bei dem erstmalig
die Hüften der Frauen in den Vordergrund rücken: die sehr
schlanke Kleiderform mit "Kürass-Taille" wird etabliert.
Diese zwingt ihre Trägerin wieder einmal zu eiserner Disziplin beim
Kalorienzählen, und (natürlich!) in ein spezielles Korsett, das
die extrem schmale und langgezogene Taille sowie die Hüften
in Form bringt.
Die
nachfolgende Mode der "Zweiten Tournüre"
(1882-88) behält die schmale Eleganz der Kürass-Taille
bei, verlagert den wieder weiter gewordenen Rock jedoch erneut aufwärts-rückwärts.
Die Tournüre sitzt wegen der verlängerten Taille jedoch
tiefer als bei der ersten Tournürenzeit und erreicht Extrem-Maße
(sie steht halbmeterweit horizontal ab und wackelt beim Gehen wie
ein Entenpopo). Asymmetrischer
Schnittverlauf und Dekorationen der Kleider werden modern, als
auch diese Form nicht mehr absolut up to date ist .
Abgelöst
wird dieser Look dann um 1899 wiederum von einer schmalen Kleiderform,
von der "Sans ventre"-Linie (wieder ein neues Korsett,
welche Überraschung), die die Trägein in hochgradig gesundheitsschädigender
Form in ein künstliches Hohlkreuz zwingt.
Hier endlich meutern
zunehmend Orthopäden und Frauenrechtlerinnen, und es werden im Gegenzug
"Reformkleider" erfunden - zugegebenermassen recht unattraktive
sackartige Gewänder, die sich deshalb auch nicht besonders durchsetzen.
Auch die ersten Frauenhosen
("Bloomers" nach ihrer Erfinderin Betty Bloomer) werden im
Lager der Feministinnen erfunden und wirken durch ihre Ballonform
leider recht unattraktiv - auch sie sind ein Modeflop.
Da Frauen zunehmend
im gesellschaftlichen und beruflichen Leben aktiv werden, führt
die Entwicklung gegen Ende des Jahrhunderts aber deutlich zu bequemeren,
tragbaren Kleidungsstücken, meist getrennt in Rock, Jacke und Bluse.
Sportbekleidung wird etabliert, und einige Jahre später in
den goldenen Zwanzigen werden dann sowohl die lästigen langen Haare
als auch die lästigen langen Rocksäume der Schere zum Opfer fallen.

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