Die
Frau ist einerseits in der Rolle der "hehren frouwe" die edle, weltferne
Dame eines Adelsschlosses, andererseits steht sie durchaus als Mitglied
einer Handwerksgilde ihren Mann im geschäftigen Treiben einer mittelalterlichen
Stadt.
Es
beginnt mit dem Frühen Mittelalter - ca. 10.-12. Jhd.- mit
seinen relativ eng anliegenden und schlichten tunikaartigen Gewändern
aus Leinen-/ oder Wollstoffen. Auch Seide (aus Indien) und Baumwolle
(aus Ägypten) sind bereits vorhanden, zählen aber zu den Luxusgütern.
Horizontalnähte und Verschlüsse sind weitgehend unbekannt, man streift
die Kleidung einfach über und bringt sie mit seitlicher Schnürung
auf Körperform.
|
 |
Die
Schnitte sind so konzipiert, dass von dem (meist selbstgewebten)
Stoff nahezu kein Abfall übrigbleibt, Abschnitte werden einfach
zur Erweiterung anderer Gewandpartien verwendet. Hosen gibt es nur
in Form von Beinlingen, die einzeln mittels Hosenlatz zusammengenestelt
werden. Die Formen von Cotte als Hemdgewand und Surcot als ärmelloses
Übergewand entstehen.
Das
Hohe Mittelalter - ca. 12. - 13. Jhd. - schliesst sich an mit
farbenprächtigeren und raffinierteren Gewändern. Ein stärkeres Körperbewusstsein
bildet sich heraus: Die Schnitte sind schmal und körperbetont, darüber
hinaus werden die Ärmelausschnitte insbesondere des Frauen-Surcot
immer grösser, bis sie als "Höllenfenster" fast den gesamten Oberkörper
freigeben (welche Institution diesen Namen geprägt hat, ist einfach
vorzustellen, von den Kanzeln wettern die Priester gegen diese Modesünde).
Die
Epoche nähert sich dem Ende mit dem Späten Mittelalter (14. -
15. Jhd.). Die äußerst prächtige Burgundische Mode mit ihren
Houppelanden (lang schleppende, sehr weite Gewänder mit lang herabhängenden
Überärmeln, die von Männern und Frauen gleichermassen getragen werden)
getragen über dem schmalen "Niderkleit" setzt ein. Die Säume sind
oft "gezattelt", das heißt, gelappt. Die Kleidung prunkt in herrlichsten
Farben, in leuchtender Seide, in schimmerndem Samt, ist oft pelz-
und edelsteinbesetzt. Während Frankreich und England dieser
Mode frönen, beginnt in Italien schon längst die Frührenaissance
mit ihrer betonten Schlichtheit.
Das
"Mi parti" (linke und rechte Gewandhälfte haben eine andere
Farbe, Beinlinge wiederum andere Farben als die Oberbekleidung)
kommt gross in Mode - eine Mode, die sich bis weit hinein in die
Renaissance halten wird - man kann mit ihre so schön zeigen, daß
man reich genug ist, teure, komplizierte Näharbeit zu bezahlen.
Bekannt ist diese Farbverteilung heute noch als Narrengewand, ebenso
wie eine weitere tyische modische Besonderheit, nämlich das Besetzen
der Kleidung mit hunderten von kleinen Schellen. Dies ist übrigens
eine hauptsächlich in Deutschland verbreitete Gewohnheit. 
|
 |