Die
Stoffe sind Seiden, Samte, Brokate und Damaste, oft noch edelstein-
und perlenbestickt. Die
Schnitte sind üppig mit weitem und lang schleppendem Rock,
gegen Ende des Jahrhunderts entstehen in Spanien die ersten Reifröcke
- allerdings werden sie noch als Oberbekleidung mit sichtbaren Reifen
getragen.
Eine
Sonderform bildet der in der Übergangszeit zum Barock in Spanien
und England am Hofe getragene tonnenförmige und querovale
Reifrock (man denke an Bilder von Velasquez oder an Königin
Elisabeth I.) Als Verzierung sind Schlitze überaus beliebt, durch
die das Unterkleid hindurchblitzt. Besonderen Wert wird auf schöne
Ärmel gelegt. Meistens sitzen sie nicht fest an Mieder oder Wams,
sondern werden angenestelt.
Es ist durchaus üblich,
links und rechts zwei verschiedene Ärmel zu tragen, und den
Lieblingsärmel an alle möglichen verschiedenen Gewänder anzunesteln.
Sie sind oft so kostbar, dass sie (während des Tragens!) gestohlen
werden, und sie werden in Testamenten gesondert aufgeführt.
Während
die Frauenbekleidung im Grossen und ganzen bis auf Variationen in
der Höhe der Taille und verschieden Ärmelarten zwei nennenswerten
Veränderungen durchmacht (aus weichfließendem Gewand
entsteht der Doppelkegel mit erstmalig korsettversteiftem Oberteil
und reifrockgestütztem Rock), entsteht in der Männermode
aus einer immer weiter verkürzten Hose die mit Roßhaar ausgestopfte
kugelrunde "Heerpauke" - der spanische Hof ist hier Ausgangspunkt.
Daneben trägt der modische
Herr die "Braguette", eine bis ins Lächerliche vergrösserte
und zum Teil recht naturalistisch geformte Schamkapsel (die Weiterführung
des im Mittelalter entstandenen Hosenlatzes), die durchaus als Aufbewahrungsort
für galante Geschenke (z.B. Apfelsinen) an die Angebetete diente.
Eine Mode, die übrigens bis weit ins Barock hinein äusserst beliebt
blieb, und die auch vom erzkatholischen Spanischen Hof gerne getragen
wurde. 
|