Daneben
entwickelt sich aus dem "Negligé", einem sackartigen Hausgewand,
das aber sehr wohl über Schnürmieder und Reifrock getragen wurde,
die "Adrienne".
Diese
ist ein Zwischending beider Kleiderformen, in dem das weite Negligé
noch durch eine am Halsausschnitt angesetzte, reichgefaltete und
nahtlos ins Kleid übergehende Schleppe erhalten ist. Dieser Schnitt
nennt sich "Watteaufalte", nach dem gleichnamigen französischen
Hofmaler, auf dessen Gemälden diese Kleiderform häufig zu sehen
ist.
Die
Rockformen gehen vom runden Reifrock bis hin zum extremen Queroval
der "Grande Parure" genannten prunkvollen Hoftoilette mit meterlangen
seitlichen "Auslegern". Andererseits wurde am Ausgang des Jahrhunderts
das knöchelkurze Kleid "a la Polonaise" modern, eine Kleiderform,
die wiedergibt, was sich die höfische Gesellschaft zur Zeit Marie
Antoinettes so unter einem Kleid einer polnischen Schäferin vorstellte.
Erstmals
in der Mode ist eine regionale Unterscheidung der Kleidung innerhalb
Zentraleuropas nicht mehr möglich. Frankreichs Hof dominiert die
Rokoko-Gesellschaft und diktiert neben der Lebensart natürlich auch
die Mode. Lediglich die kühleren Briten lassen sich nicht ganz mitreissen
und entwickeln ihren eigenen, praktischeren und tragbareren Stil.
Die Schnitte bleiben gemässigt, Kapriolen und Extreme finden keinen
Eingang in die englische Kleidung. Die Modeszene würdigt das, indem
sie die verschiedenen Kleiderformen als "a la Francais" (d.h. mit
querovalem Reifrock, Watteaufalte und grossem Aufputz) und "a la
Anglais" (d.h. mit relativ kleinem runden Reifrock und einfachem
Schnürmieder) benennt.
In
England entwickelt sich gegen Ende des Jahrhunderts bereits
vor der Französischen Revolution die Vorstufe zum hochgegürteten
Empirekleid mit nach oben versetzter Taille, die ohne Reifrock
getragen wurde - eine Tatsache, die kaum bekannt ist.
Die
Männerkleidung behält die "Justaucorps" genannte lange Jacke
mit grossen Ärmelaufschlägen bei, die lediglich im Laufe der Zeit
etwas schlanker in der Silhouette wird, und die zusammen mit langer
Weste, Spitzenhemd und Kniehosen die in Europa einheitliche Tracht
darstellt. Auch hier tragen die Engländer schon relativ früh eine
weniger opulente Version mit noch schlankerer Jacke mit kleineren
Ärmelaufschlägen, ohne grosse Stickereien oder Spitzenmanschetten.
Sie ähnelt schon sehr der späteren Empire- und Biedermeiertracht.
Die Hofkleidung
ist derart teuer (und unbequem), dass sie auch nur zu offiziellen
Anlässen getragen wird. Zu Hause legt man sofort Kleid oder Herrengala
und die Perücken ab und trägt Negligé oder wattierten Schlafrock
und Schlappen. Den Kopf bedeckt eine Haube oder Nachtmütze, denn
der Kopf war oft der Perücken wegen kahlrasiert, aber auch damit
man die Krätze besser behandeln konnte.
Es
war ein Muss, kostbar gekleidet zu sein, und dementprechend
ruinös für seine Besitzer war auch die Anschaffung der stets neuen
Garderobe. Interessanterweise besass eine vornehme Frau neben der
Vielzahl an Galas aber nur ein bis zwei Unterröcke und musste, wurden
diese (in seltenen Fällen) gewaschen, das Haus hüten.
Phantasievoll
wie alles in dieser Zeit sind im Übrigen auch die Namen der Stoff-Farben:
Floh (spezifiziert nach alter und junger Floh, Flohrücken, Flohschenkel,
usw.), vergifteter Affe und sterbender Affe, Nönnchenbauch, Pipi
vom Dauphin oder Gossendreck sind einige davon.
Im Gesicht und Dekolleté werden die berühmten "Mouches",
die schwarzen Schönheitspflästerchen getragen, von denen ebenfalls
jedes einen bestimmten Namen und eine Bedeutung erhält, vergleichbar
der Blumensprache des 19. Jhdts. Die naturfarbene lockenreiche und
extrem warme Allongeperücke des späten Barock wird abgelöst durch
kleinere Perücken unterschiedlichster Form, die fast ausschliesslich
weiss oder grau gepudert werden.
Wenn Sie
mögen, finden Sie hier ein kleines amüsantes Schauspiel,
das anläßlich eines Vortrages aufgeführt wurde,
über die Mode der "Galanten Jahrhunderte" Barock
("Age d'Or") und Rokoko ("Age de Lumière").
Wenn neben Mode auch das
Speisen zu Ihren Vorlieben gehört, amüsiert Sie vielleicht
auch die folgende Szene, die
anläßlich eines Gala-Diners zu Aufführung kam, und
das sich ebenfalls mit den "Galanten Jahrhunderten" beschäftigt.
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